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Landschaftspflege
Denkmalschutz

„Alleen sind schön, machen aber viel Arbeit“

Einblicke in die Landschaftspflege

„Alleen sind schön, machen aber viel Arbeit“

Einblicke in die Landschaftspflege

Von Karl Valentin stammt das Zitat „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Diese Erkenntnis lässt sich sehr gut auf die Landschaftspflege übertragen, die eine ganz eigene Kunstform darstellt – mit der Besonderheit, dass diese Kunst lebt und nie „fertig“ ist. So benötigen die von uns allen geliebten Alleen nicht nur eine extrem langfristige Planung, sondern auch ständige Pflege, wie ein Beispiel von Gut Fürstenberg zeigt.

Jeder, der zu Hause einen Garten angelegt hat, weiß, wie viel Arbeit rund ums Jahr darin steckt, Rasen und Blumen, Sträucher und Bäume in Form zu halten. „Entsprechend kann man sich ungefähr vorstellen, wie viel Aufwand es ist, eine ganze Allee zu pflanzen und zu pflegen“, meint Maximilian von Laer, Verwalter auf Gut Fürstenberg. Für das Team von Gut Fürstenberg bleibt dies allerdings keine Vorstellung, sondern ist eine ganz reale Erfahrung: Es pflegt nicht nur die bereits vorhandenen Baumbestände, sondern hat vor zehn Jahren auf einer Länge von dreieinhalb Kilometern noch eine ganz neue Allee angelegt.

„Beim Planen einer Allee muss man weit in die Zukunft denken“, berichtet von Laer. „So haben wir zum Beispiel nicht nur überlegt, welche Baumart wir pflanzen wollen, sondern auch, wie breit wohl die Fahrzeuge sein werden, die in hundert Jahren zwischen den Bäumen hindurchfahren.“ Über solch lange Zeiträume nachzudenken, ist typisch für die Landschaftspflege – ob es nun um Alleen geht oder um sorgfältig geplante Parkanlagen im Umfeld historischer Gebäude: Die Planer wissen, dass sie ihr Werk niemals in voller Pracht erleben werden.

So sind auch die Bäume der neuen Allee jetzt noch klein und werden viel Aufwand, Energie und Pflege benötigen, bis sich kommende Generationen in ihrem Schatten erholen können. Die dadurch verursachten Kosten sind enorm. „Dabei sind die fast 300 Baumsetzlinge noch ein kleiner Posten“, erläutert der Verwalter. Deutlich teurer sei es, den für die Pflanzung benötigten Acker aus der Nutzung zu nehmen. „Bei unserer 3,5-Kilometer langen, beidseitigen Allee reden wir über einen Pflanzstreifen von sieben Kilometern Länge und sechs Metern Breite.“ Das sind 42.000 Quadratmeter Grund, was 70 Bauplätzen mit jeweils 600 Quadratmetern Fläche entspricht. Diesen Grund dauerhaft aus der wirtschaftlichen Nutzung zu nehmen, ist eine große Investition  – eine Investition in die „Kultur-Landschaft“, die der Öffentlichkeit zu Gute kommt.

Entsprechend groß war auch das Medieninteresse bei der Pflanzung der Allee, berichtet von Laer. „Es war natürlich schön zu sehen, dass sich viele Menschen für unser Projekt interessieren“, sagt er rückblickend. Trotzdem gehe es bei einer solchen Initiative nie um kurzfristige Aufmerksamkeit. „Eine Allee anzulegen, ist eine große Verpflichtung auf lange Zeit“, betont von Laer, „und natürlich sind die Medien nicht dabei, wenn wir die Bäume bei starkem Wind und eisiger Kälte beschneiden.“ Auch die ständige Pflege des Grünstreifens zwischen den Bäumen gehört zu den Aufgaben des Teams von Gut Fürstenberg. Aber damit nicht genug. „Was uns immer wieder zu schaffen macht, ist der Müll, den manche Menschen achtlos in die Landschaft werfen, und der erhebliche Schaden durch Vandalismus“, erläutert von Laer. Oft wünscht er sich deshalb, dass mehr Menschen aktiv in der Natur arbeiten und selbst erfahren, wie aufwändig und anstrengend das ist. Wahrscheinlich wäre die Wertschätzung dann größer, vermutet er. „Alle Menschen sind Künstler“, sagte Beuys, „aber leider sind nicht alle Gärtner.“

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